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Mittwoch, 11. November 2009

Indien, wo bist du?

Nach einer anstrengenden und langen Zugfahrt von Varanasi nach Silighurhi bin ich spaet in der Nacht in Darjeeling angekommen.
Darjeeling ist eine schoene Hill Station am Fusse des Himalayas. Von hier aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf Indiens hoechtsen Berg, dem Kanchenjunga, der zugleich der dritthoechste ueberhaupt ist.
Der Sonnenaufgang von Darjeeling hier ist fantastisch. Bevor man die Sonne ueberhaupt sieht, verfaerbt sich die Spitze des Berges violett gelb. Nach und nach wird dann der ganze Berg beleuchtet bis man dann endlich selbst die gelbe Kugel erblickt. Hier ist es echt leicht frueh aus den Federn zu springen!

Nach zwei entspannenden Tagen in Darjeeling habe ich gemeinsam mit Gel, einer Australierin, die naechste Woche in Sikkim verbracht. Bevor man in Sikkim einreisen darf braucht man jedoch ein Permit. Um das Permit zu bekommen muss man zwei Aemter besuchen die jedoch an verschiedenen Stadtenden von Darjeeling liegen. Ein Paradebeispiel indischer Buerokratie.

Mit dem Permit im Reisepass darf man dann endlich "einreisen". Eigentlich koennte man Sikkim ja als eigenes Land betrachten. China wollte dieses Fleckchen Land schon immer haben, aber Indien bekam es letztendlich 1975. Wobei man Sikkim mit dem Rest von Indien wirklich nicht vergleichen kann. So ziemlich alles ist anders. Die Menschen, der Alkohol, die Umwelt, die Umgebung und siehe da Sikkim hat Geld. Die Regierung hat erstaunlicherweise viel Kohle in Sikkim hineingebuttert um eben die Bevoelkerung auf ihrer Seite zu haben.

Obwohl Sikkim sehr klein ist hat es einiges zu bieten. Zum ersten waere da Mal die permanente herrliche Aussicht auf den Kanchenjunga, zum Zweiten waere dann das Trekking und zum Dritten die Menschen selbst, die dieses Land so reisenswert machen.

Sikkim ist beruechtigt fuer seine Alkoholiker, ja genau. Der Lonely Plante schreibt in der Rubrik "Gefahren & Aergernisse", dass Sikkim sehr sicher ist, nur einzig die Unberechenbarkeit der Alkoholiker sollte man nicht unterschaetzen. Und wo bekommt man schon standardmaessig 6cl Schnapsglaesser?
Aber die Leute hier sind so freundlich und zurueckhaltend, dass sie schon fast schuechtern sind.

Gangtok, die Hauptstadt Sikkims, ist ueberraschend westlich. Man sieht Geschaeftsmaenner herumspazieren und die Einkaufsstrassen erinnern mich echt an Europa. Keine Kuehe auf den Strassen und kein Muell. So weit ab vom Schuss und doch so modern. Aber vielleicht hat Sikkim einfach nur eine besser (vielleicht nicht so korrupte) Regierung.

Obwohl man durch halb Indien reisen muss, um nach Sikkim zu gelangen, ist es echt empfehlenswert. Durch die angespannte Situation mit China (laut China ist Sikkim ein eigenes Land *g*) darf man jedoch nicht das ganze Land erkunden bzw. braucht teure Permits fuer gewisse Regionen. Doch was man als normaler Tourist so alles sehen darf, ist definitiv eine Reise hier wert.

Wie wir nach Darjeeling zurueck gekommen sind, ist uns ploetzlich etwas aussergewoenliches auf den Strassen aufgefallen. Ueberall waren Schilder und Flaggen mit der Aufschrift "Ghorkaland" zu sehen es wird kein Alkohol mehr ausgeschenkt. Darjeeling und die umgebende Orte gehoeren zu dem Staat Westbengalen. Obwohl Darjeeling eigentlich durch den Tourismus und der Landwirtschaft (vor allem dem Tee) viel Geld macht, fliessen alle Einnahmen in den Sueden und die Region profitiert sehr wenig davon. Keine Buerger hier ist in der westbengalischen Regierung vertreten. Ein gutes Beispiel wie korrupt Indien ist. Deshalb wollen die Einwohner hier einen eigenen unabhaengigen Staat namens "Ghorkaland" haben.
Warum kein Alkohol mehr ausgeschenkt wird liegt darin, dass gerade bei alkoholischen Getraenken die Steuer sehr hoch ist und sehr viel Geld daher nach Kolkata fliesst. Am kommenden Dezember gibt es angeblich die naechste grosse Runde, und hoffe ihre Forderungen werden diesmal erfuellt. Free Ghorkaland *g*!

Ich hatte eigentilch geplant Indien bald zu verlassen aber habe mich nun dazu entschlossen noch 1-2 Wochen hier zu bleiben. Und zwar geht die Reise weiter in die Nordoststaaten Indiens.

Stay tuned!

Mittwoch, 30. September 2009

Naranagh

Hi, ihr da zu Hause, bin wieder zurueck von meinem Trek!!

Im Hausboot sind immer weniger Leute und man merkt das immer mehr Touristen den Norden meiden, weil sehr bald der Winter einzieht. Aber der Winter & die Kaelte laesst auf sich warten und wir haben perfektes Herbstwetter hier. Es ist sogar so heiss das wir im Dal-See schwimmen gehen.
So auch zum Glueck bei meinem Trek.
Diesmal hatten wir vor, den Trek von Naranagh zu Sonamarg zu machen. Jedoch lief diesmal nicht alles ohne Probleme…
Es war sehr schwer sogenannte Horsemaenner zu finden, weil der Trek nach Sonamarg ueber einen Berg fuehrt der, wenn ein schlechtes Wetter aufkommt, sehr viel Schnee traegt und es nachts sehr kalt wird. Zudem gibt es fuer die Tiere in den Bergen fast kein Futter mehr.
Zum Glueck hatten wir jedoch perfektes Wetter, wie ihr auf den Fotos sehen koennt.
Ok, nachdem ich mit 3 Indern und 4 Pferden (eigentlich waren es eine Mischung aus Pferd und Esel) begonnen habe, kamen wir nach 2 Tagen wandern zum zweiten Problem: Der Trek fuehrt ziemlich nah an der indisch-pakistanischen Grenze vorbei und wir mussten uns bei dem indischen Army Basecamp registrieren. Leider hat mir keiner vorher gesagt (typisch Inder), dass man als Tourist ein Permit braucht, welches man nur in Srinagar bekommt.
Offiziell dienen solche Permits als Sicherheitsvorkehrung jedoch kosten diese auch einiges an Geld und fliessen damit direkt in die indische Haushaltskasse.
Tja deshalb mussten wir nach Naranagh umkehren.
Als kleines Trostpflaster durfte ich mich mit einem indischen Soldaten fotografieren lassen. Juhu, wie spannend!!!
Wenn mans selbst nicht erlebt, wuerde mans ja fast nicht glauben: Der Offizier dort wollte natuerlich meinen Reisepass sehen, aber hatten keine Ahnung was drinnen steht, weil er einfach kein Englisch konnte. Nicht einmal basics wie Vorname oder Nachname Ich versuchte ihm wirklich 10 mal zu erklaeren, dass ich nicht von Australien komme, sondern von Austria. Er kapierte es einfach nicht.
Danach kamen fragen wie, "Are you married?", "You have girlfriend?" oder das Beste "Whats the name of your father?".

Jetzt wird sich der eine oder andere fragen, wie ist es nun mit 3 Indern fuer 5 Tage alleine in den Bergen? Sagen wirs so: Anstrengend! Andauernd kamen fragen wie “Good?” oder “Tired?” oder andere aenhliche Fragen die nach einiger Zeit jeglichen Sinn fuer einen verlieren. Mein Trick war - sogenannte umgekehrte Psychologie anzuwenden – d.h. mich auf dem selben Niveau zu bewegen und die gleichen Fragen zu stellen.
Inder reden auch die ganze Zeit, wirklich Tag und Nacht. Das Problem ist, dass die Lautstaerke dabei so oft schwankt, dass du glaubst dass sie manchmal wie wild streiten und dann auf die eine oder andere Sekunden ploetzlich wieder normal miteinander reden.
Ich muss jedoch sagen im Endeffekt war es eine super Erfahrung fuer mich, mal wirklich auf mich alleine gestellt zu sein und wir haben uns eigentlich sehr gut verstanden.

So was habe ich nun die naechsten Tage vor. Jetzt ist es mal Schluss mit Trekking. Ich muss mir wieder die abgenommen Kilos raufessen *g*. Eigentlich war man Plan mit dem Jeep nach Leh zu cruisen ein paar Tage dort zu bleiben und dann mit dem Flieger nach Amritsar zu begeben. Jedoch wird derzeit in Indien wie wild gestreikt und es fliegen nur Privatairlines von und nach Leh, was zu teuer ist.
Deshalb werde ich meine Lehreise auf Mitte Oktober verschieben und ab morgen nach Amritsar mit Jeep & Bahn fahren und danach beginnt mein Trip durch Rajasthan. Indische Kultur pur!

Ich habe nun endlich alle derzeitigen Fotos upgeloadet und einige Fotos mit Kommentare versehen. Das war eine Menge Arbeit, ueberhaupt hier bei dem recht langsamen Internet!!! Aber fuer euch ist mir nichts zu teuer. :)

Bis zum naechsten Mal!

Montag, 21. September 2009

Julley!

Nach einer laengeren Pause wieder mal eine Nachricht von mir.
Also wie bereits vorher angekuendigt war ich auf einer 15 taegigen Tour durch Nordindien und summa sumarum es war echt der Wahnsinn. Berge, Berge und nochmals Berge. Soviel Berge, dass es einem zuviel werden koennte...

Ich sitze gerade im Hausboot back in Srinagar und eine nette Kollegin laesst mich auf ihrem Laptop diesen Blog schreiben ;). Bin froh wieder hier zu sein, weil schon wieder neue Traveller eingetroffen sind... und dieses mal sind es neben 2 Finnen + einem Kiwi, man glaubt es kaum, 2 Oessis hier aus Salzburg. Moritz und Hansi (*g*) sind beide erst 19 und machen insgesamt ca. 3 Monate Urlaub in Indien. Respekt.

So zurueck zu meinem Trek. Ich habe einige Fotos gemacht und es war echt schwierig zu entscheiden wann ich ein Foto schiessen soll oder lieber Akku sparen soll. Jetzt im Nachhinein habe ich glaub ich einen guten Ueberblick ueber den Trek mit den Fotos geschafft. Die Bildqualitaet ist leider net immer optimal weil mein Digitaldisplay eingegangen ist und ich jetzt durch das analoge kleine Fenster schauen muss...

Zuerst sind wir mit dem Jeep von Srinagar nach Padum gefahren. Der eigentlich Trek hat in Padum begonnen und endetet in Lamayuru. Es war fuer 7 Tage ca. 5 bis 7 Stunden hartes Wandern angesagt und der hoechste Punkt war auf ca. 5300 Metern. Ich fuehlte mich schon so aehnlich wie Sandra Simon, jeden Tag in der Frueh Zelt abbauen, Pferde packen, Hide & Seek, etc. und am Abend das selbe (meistens ohne Hide & Seek dann). Man gewoehnt sich jedoch dran. Wir hatten 5 Pferde die unsere Sachen wie Zelt, Essen, Rucksack, etc. trugen. Pferde sind echt perfekte Trekker, haette ich nie geglaubt, weil der Trek meistens auf ca. 30 cm breiten Pfaden war und ein Sturz ... naja.

Die Strassen im Norden Indiens sind wirklich unter aller Sau, aber es macht Spass. Die Border Road Organisation, kurz BRO, die verantwortlich fuer die Strassen ist, investiert das Geld eher in Strassenschilder die einem die ganze Fahrt unterhalten wie, „Drink Whisky Drive Risky“, „Drive On Horse Power Not On Rum Power“, „Speed Thrills But Kills“ oder „Life Begins At 40 Your Speed Should End Her“ oder „Its Not A Ralley Enjoy The Valley“. Waere eine gute Idee fuer die Asfinag hier bei uns :).

Man muss auch sagen, dass auf den Strassen viel indisches Militaer unterwegs ist, weil es vor 10 Jahren Schiessereien zwischen Indien und Pakistan gegeben hat. Warum? Siehe Kaschmirkonflikt. Keine Angst, derzeit ist es sicher wie nie.

Der Trek gab mir die Moeglichkeit einen kleinen Einblick in das Leben von den Einheimischen in Ladakh zu schaffen: Sie sind durchwegs Buddhisten und gibt immer ein Kloster, Gompa genannt, in den groesseren Ortschaften die wir durchwandert haben. Wir waren einmal beim Morgengebet dabei (= sehr frueh aufstehen!!!) und es war recht nett zu den tiefen Maennerchoeren zu horchen und Buttertee mit Sampa zu trinken. Buttertee klingt gut ist aber ziemlich grauslich. Sampa ist eine Art Mehl die man zum Tee hinzugibt und es entwickelt sich dann ein Art Klumpen der net wirklich besser schmeckt. Fuer die Buddhisten hier in Ladakh ist das das Fruehstueck. Buttertee gibt einem genug Energie um in den Bergen mit moeglichst wenig Nahrung gesund & fit zu bleiben.

Buddhisten sind sehr freundlich. Man hat sogar die Moeglichkeit meistens gratis in den Gompas zu schlafen. Man darf sich aber nicht viel Komfort erwarten.

Indien hat nicht umsonst ueber eine Milliarde Einwohner. Auf jedem Fleckchen Erde leben Menschen, sei es noch so abgelegen. Ueberall sieht man vereinzelt Huetten die nur ueber kleine Wege erreichbar sind. Ich habe versucht zu erfahren wie die Leute vor allem im Winter ueberleben koennen. Als Antwort stets, kein Problem - wir arbeiten hart im Sommer um das Futter fuer die Tiere (=Heu) und Heizmaterial (=Kot) zu besorgen und lassen es uns im Winter gut gehen :).
Apropos Haeuser. Die Haueser in Ladakh folgen folgendem Schema: Man betritt das Haus und nein man findet sich in keinem Vorraum sondern - ja genau - im Stall. Das Erdgeschoss ist den Tieren gewidment, um in den Wohnbereich zu gelangen muss man in den ersten Stock. Die Haeuser bestehen meistens aus Kueche + Wohnzimmer in einem Raum und einem weiteren Schlafraum. Klo, oder besser gesagt Loch im Boden ist stets im Freien. Geschlafen wird meistens aber in der Kueche, weil es dort am waermsten ist. TV ist Luxus.
Die Raume sind ziemlich niedrig, und die Decke besteht aus Holzpfosten mit Holzaesten ausgelegt. Das Mauerwerk besteht aus Steinen und ein wenig Zement. Die Boeden sind alle mit Teppichen ausgelegt und schaffen ein angenehmes Gefuehl.

Ich hatte das Glueck eine Nacht in so einem Haus bei einer muslimischen Familie zu verbringen. Wir wurden behandelt wie Koenige, wir bekamen gutes Abendessen und Fruehstueck, den besten Schlafplatz und das alles ohne eine einzelene Rupie zu bezahlen.

Hier in Indien gibt es Menschen, Menschen und nochmals Menschen. Ich habe es gestern bemerkt, weil fuer die Moslems ein Feiertag war. Tausende Menschen auf den Strassen und es geht um wie nur was. Das ist sehr ungewoehnlich. Ich bin froh dass es hier im Hausboot sehr ruhig ist und es ist eine Art Rueckzug zu unserer Welt. Ich haette es mir leichter vorgestellt, aber als Europaer drehst du durch wenn du versuchst den selben Lifestyle zu leben. Ich denke das braucht Zeit und Geduld.


Ich werde versuchen den einen oder anderen Kommentar auf dem Webalbum zu den jeweiligen Fotos zu geben.

Morgen startet ein weiterer 5 taegigen Trek, diesmal aber was ganz anderes. Was genau erfahrt ihr schon noch...

PS: Julley bedeutet Hallo auf ladakhisch.

PPS: Siehe mein Post-Update in "Welcome to Delhi".